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Clara Cosima Wolff. handreichung. Gedichte
Clara Cosima Wolff. handreichung. Gedichte
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ich bin keine märtyrerin mehr
DAS BUCH
Handreichung ist Bewegung, Näheversuch von Körper zu Körper. Was reicht da, wo liegen Zuviel und Zuwenig des Vergessens? Wie kann Fürsorge Sorgenhaufen trösten? Fünf Ansätze suchen die gendergeprägten Gebiete von Furchterlernen und Sorgearbeit im gehirnwendenden Kontext hormoneller Verhütung und demenzieller Entwicklung auf. Finde Bienen, Hirne, Papiere. Finde Fürchte, Fürsorge, Erbangst. Finde Laborprotokolle, Anamneseberichte, Pflegeanträge. Häufe Listen, Kreuzworträtsel, Anagramme im Aufbegehren diagnostischer Distanzen, Abgesänge der Beurteilung, fragmentarisch, bröckelnd. Welche Form hält? Festhalten, Sammeln, Risse küssen. Immer wieder die Brüche entlang, Bruchstaben verwalten, Buchstauben, Empfindlichkeiten in Speicherung, Fragilitäten zwischen Neuropsychologie und Nähesprache halten. Handhabbar, ich wälz mich in Verbliebenem.
— Clara Cosima Wolff
STIMMEN ZU CLARA COSIMA WOLFF
Clara Cosima Wolffs Gedichte wirken wie Wortwehr gegen die Mechanismen des Vergessens.
— Dagmara Kraus
Das Papier verliert sein Gedächtnis, es ist ein archivaler Gedächtnisverlust, wie er als Auflösung der Hardware auch den Menschen heimsucht, wenn die Zellen der Stirn und Schläfenlappen kollabieren, das heißt dann Demenz. Der Mensch verliert Empathie und Emotion, aber das war den Akten von Anfang an fremd. Papiernester sind Wespenwerk, Bienen bauen ihre Daten aus Wachs. Ist das Weichen dauerhafter, speichern die Immen nicht auf, sondern innen, besitzen sie genetisch einen evolutionären Quellcode, der jeden Sommer mit Honig füllt, und legen sie so einen Speicher an, der sich nicht auf Papier verreibt, sondern in Clouds hängt? In aufschäumenden Gedichten aus Collagen, Assonanzen, Listen und einer Vielfalt von Formen wie Bild-Gedichten von Barock bis Ringelnatz streckt Clara Cosima Wolff ihre Antennen aus.
— Hans Jürgen Balmes
Die Sprache fungiert hier gleichzeitig als Symptom wie auch als Medium für Selbstermächtigung und Trost.
— Sabine Voda-Eschgfäller
LESEPROBE
d u m u s s t m i n d
du musst mindestens zwei antworten eingeben um ein rätsel zu generieren
hirnchen sieht anders aus
was ahnbar machen langt
in zwei richtungen reiche
ein zu viel ein zu wenig des erinnerns des vergessens
mir reichts hand
:habbar als fühlapparat
als tasten an altlasten
mein tätscheln des wareinmal
fürchte ernt ich erbäpfel
überbrücke mit schütteln
der bäume listen köpfe
du musst mindestens zwei verantwortungen halten um kein leben zu negieren
s o r g e n n a h m e
nähe morgens
arme an sonne
omen gesehen
hagen an smog
mahne sog hang
rase gen mohn
sah enge norm
am gram organ
l e i t s i n n
ach du mein leichtchen
treibst mich an zieh ich aus
weh nicht fort hörst du nicht gleich
mein eichsinn du du bäumst mich
auf schwingst mich weich zeigst
leerzeichen die sticheln je länger
ich fernbleib desto ärger der
ändertrieb also folg ich dir lieb
mein nichtslein dir spring ich nach
reich mir die leitlinie leichthin bin
leid noch gewohnt verleit mich zu
lichten weiten teichel
mein ichle seicht du
einsilbst ich floskle
ich fürsichtige
sachte
DIE AUTORIN
Clara Cosima Wolff, geboren 1993 in Hagen, schreibt Lyrik, Essays und Kritiken. Performances mit dem Kollektiv lyrika. Veröffentlichungen u.a. bei Sukultur, Bella Triste, Brache, Ostragehege. Sie studierte Psychologie in Wien und Osnabrück sowie Literarisches Schreiben in Hildesheim und arbeitete im Projekt Poetry in the Digital Age der Uni Hamburg, wo sie ihre Dissertation zu barrieresensibler Lyrik schreibt. Sie gibt Workshops und Seminare in der poetischen Bildung. Ihr Übersetzungsdebüt sterben unsterben (meurs ressuscite, Albane Prouvost) mit dem kolleginnen.kollektiv erscheint im Herbst 2026 im KLAK Verlag. 2026 ist sie Stadtbeschreiberin in Dortmund und Stipendiatin im Künstlerhaus Edenkoben. 2026 Mitgründung von letzter verlag (letzter-verlag.de). handreichung ist ihr erster Gedichtband
Clara Cosima Wolff, handreichung. Gedichte, Reihe Lyrik Band 98, 128 Seiten in 5 Heften, Kabelbinderbindung, gestaltet von Andreas Töpfer, ISBN 978-3-948336-35-6
